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Supply Chain Planning as a Service

“Die Unternehmen wollen nicht planen, sie wollen Planungsergebnisse“

Über die letzten Jahre hat sich das Supply Chain Management in den Unternehmen etabliert und professionalisiert. In Produktionsunternehmen mit großer Fertigungstiefe planen und optimieren Supply Chain Manager die weltweiten Liefer- und Leistungsketten. Doch bei vielen Unternehmen steht die Produktion nicht im Fokus, hier wird eher montiert und koordiniert. Auch diese Unternehmen müssen aber termintreu arbeiten – für Heinrich Wallerstorfer sind diese Unternehmen die künftigen Kunden für eine neuartige Dienstleistung: Supply Chain Planning as a Service.

Herr Wallerstorfer, wie kommen Sie darauf Supply-Chain-Planung als Service anzubieten?

Heinrich Wallerstorfer: Ich habe selbst viele Jahre in Unternehmen als Supply-Chain-Verantwortlicher gearbeitet. Trotz der Fortschritte in dieser Disziplin darf man nie vergessen, dass Supply Chain Management eine vergleichsweise junge Disziplin ist. Es gibt einige Unternehmen, die hier schon sehr optimiert arbeiten. Aber viele kleinere und mittelständische Unternehmen stecken noch in den Kinderschuhen, behelfen sich mit unzureichenden Tools wie Excel oder MS-Project. Ich habe selbst Supply-Chain-Projekte in der Praxis durchgeführt und weiß daher genau, welche enorme Lernkurve für nachhaltige Verbesserungen von Termintreue, Qualität und Effizienz erforderlich ist. Unternehmen müssen ihre Organisation verändern, neue Methoden und IT-Tools einführen sowie sich personell mit SCM-Profis verstärken. Das dauert und ist risikobehaftet. Für viele Unternehmen bietet Supply Chain Planning as a Service daher eine interessante Alternative.

Vor welchen Problemen und Herausforderungen stehen Unternehmen, denen Sie ihre Dienstleistung anbieten?

Heinrich Wallerstorfer: Meist spürt das Management, dass Kundenbeziehungen unter fehlender Termintreue und die Effizienz unter mangelnder Koordination und unzähligen Korrekturaktionen leiden. Auch wenn die Fertigungstiefe bei den meisten Interessenten gering ist: Auch hier müssen zahlreiche Lieferanten oder Subunternehmen koordiniert werden und Montage- oder Produktionsschritte sind auf eine sinnvolle Planung der Kapazitäten und pünktliche Zulieferung angewiesen – gleiches gilt für die Auslieferung an den Kunden. Aus professioneller Sicht ist die operative Hektik in diesen Unternehmen ungemein groß, vieles läuft im schlechtesten Fall unkoordiniert und im besten Fall mit vielen Meetings und auf Zuruf – nicht weil man so gern miteinander kommuniziert, sondern weil die Organisation und die Werkzeuge fehlen. Das Kernproblem ist eben, dass in den meisten Unternehmen „Plan“ mit „planen“ verwechselt wird.

Wo liegt denn der Unterschied?

Heinrich Wallerstorfer: Nun, wenn ich in die Unternehmen komme, können viele einen Plan vorweisen. Akribisch wurden in MS-Project, Excel oder anderen Tools viele Projektschritte und Plantermine erfasst. Überprüft man diese Pläne dann mit der Realität – beispielsweise aktuellen Lieferzusagen, tatsächlich vorhandene Kapazitäten – so stellt man schnell fest, dass der Plan irreal ist. Der Grund ist meist: Der Plan wurde nicht aktualisiert und fortgeschrieben, deshalb hält sich dann auch niemand dran. Fakt aber ist: Nicht der ursprüngliche Plan, sondern dieses ständige Ändern, Fortschreiben etc. ist die eigentliche planerische Aufgabe – hierzu brauche ich Erfahrung, Methoden und geeignete Tools. Wenn ich in MS-Project 500 Projektschritte unterteile, ist dies als Supply-Chain-Planung weder transparent noch pflegbar.

Also braucht es andere Tools?

Heinrich Wallerstorfer: Ja und nein. Natürlich könnten die Unternehmen jetzt ein Supply-Chain-Management-Projekt aufsetzen und viel Geld in Berater, Fachleute und Tools stecken. Aber für viele Unternehmen lohnt es sich nicht. Sie sind am Markt erfolgreich, sie haben gute Produkte und Dienstleistungen und sie zweifeln zu Recht, ob sich bei ihrer geringen Fertigungstiefe eine professionelle SCM-Organisation lohnt. Kurzum: Viele Unternehmen wollen gar nicht planen, sie wollen Planungsergebnisse.

Was bieten Sie diesen Unternehmen konkret an?

Heinrich Wallerstorfer: Ich übernehme mit meinem Team die Supply-Chain-Planung. Wir machen dann als Externe nichts anderes als es interne Planungsabteilungen tun. Wir übernehmen Auftragsdaten, koordinieren Lieferungen und Leistungen, belegen Kapazitäten und überwachen Termine. Das Endprodukt ist ein machbarer Plan – der an das Unternehmen übermittelt und permanent aktualisiert wird.

Die Vorteile für das Unternehmen liegen auf der Hand: Statt Geld in den Aufbau einer internen Planungsabteilung zu investieren, wird die Leistung gezahlt. Das ist weniger risikoreich und zudem skalierbar – so kann das Unternehmen beispielsweise zunächst nur die komplexeren oder relevanteren Projekte auslagern, die mehr planerische Erfahrung benötigen, oder einfach jene, für die die internen Planungskapazitäten nicht mehr reichen. Ein weiterer Vorteil nach meiner Erfahrung: Die einzelnen Abteilungen wie Vertrieb, Konstruktion, Produktion oder Montage merken sehr schnell, wie viel Ruhe so ein verlässlicher Plan bringt. Man gewöhnt sich an Supply-Chain-Planung – das ist der Nährboden, auf dem dann später auch interne SCM-Abteilungen aufgebaut werden können.

Für welche Unternehmen oder Branche bietet sich so ein Outsourcing der Planung an?

Heinrich Wallerstorfer: Nun, große Unternehmen mit komplexen Liefer- und Leistungsketten und großer Fertigungstiefe sind sicherlich nicht die Zielgruppe. Meiner Erfahrung nach profitieren jene, meist klein- und mittelständische Unternehmen besonders schnell, die einen hohen Konstruktions- und Montageteil bei gleichzeitig hohem Zulieferungsanteil oder geringer eigener Fertigungstiefe haben. Ob hier die Änderungsmeldung eines Lieferanten an einen internen oder externen Planer läuft, ist unerheblich. Wenn dazu noch einige wenige interne Produktionsschritte koordiniert werden müssen, ist das gut machbar und kann auch sehr schnell an externe Planer vergeben werden. Praktisch werden die Statusmeldungen von Lieferanten, Konstruktion, Fertigung und Montage nur über ein externes Planungsbüro umgeleitet – das Unternehmen bekommt als Ergebnis immer den machbaren Plan.

Gibt es weitere Vorteile?

Heinrich Wallerstorfer: Ja, zunächst mal jene Vorteile, die man gemeinhin mit Outsourcing in Verbindung bringt: Skalierbarkeit, klar und projektspezifisch kalkulierbare Kosten, geringe Anfangsinvestitionen, Dienstleistungskosten statt Abschreibungen und kein Aufbau von zusätzlichem Personal. Für mich wichtiger aber ist die Lernkurve im Unternehmen. Das Unternehmen lernt, was eine professionelle Supply-Chain-Planung bringt, bekommt in der täglichen Arbeit mit den Dienstleistern einen Einblick in Methoden und die Leistungsfähigkeit professioneller Tools. Bei meinen Kunden bemerke ich auch, wie selbst die Organisation sich bereits wandelt – erste Kunden räumen meinem Team die Terminhoheit ein. Wir sind zwar extern, aber die Unternehmen lernen, dass Supply-Chain-Planung Zuverlässigkeit erzeugt und insgesamt für verbesserte Ergebnisse hinsichtlich Effizienz und Termintreue sorgt.

Aber sind die Vorbehalte gegen eine externe Planung nicht extrem hoch? Was sind denn typische Einwände, gegen die sie in den Gesprächen zu kämpfen haben?

Heinrich Wallerstorfer: Ich habe das Gefühl, dass es bei den meisten Unternehmen mehr die Einwände gegen Planung allgemein als gegen eine externe Planung sind. Wer Supply-Chain-Projekte durchgeführt hat, kennt die Themen – „das hat noch nie geklappt“, „von denen lass ich mir nichts sagen“, die Angst vor einer Teilung der Macht oder dem Einblick des Managements in schwache Prozesse. Da habe ich es als Externer manchmal sogar einfacher, denn ich werde weniger als Bedrohung wahrgenommen. Und dann gibt es natürlich noch die Einwände gegen ein Outsourcing, also beispielsweise Fragen nach der Servicequalität, der Qualität der Ergebnisse und der Sicherheit von Unternehmensdaten. Gerade Sicherheitsthemen sind hier ernst zu nehmen, darüber muss man sprechen und schon Regelungen wie Wettbewerbsausschluss o.ä. helfen hier.

Und es ist wie bei allen Veränderungsprozessen: Der Schmerz über den aktuellen Status, also der Leidensdruck muss hoch sein. Meist liegt hinter den Anfragen ein konkreter Anlass: Es sind Termine bei wichtige Projekten oder Kunden geplatzt, die Kosten der fehlenden Koordination wachsen dem Unternehmen über den Kopf, Wettbewerber ziehen dank guter Planung davon oder man muss für neue Kunden deutlich höhere Anforderungen erfüllen.

Wie sehen Informationsfluss und Planungsprozess konkret aus?

Heinrich Wallerstorfer: Wir bilden eine zentrale Planungsabteilung außerhalb der Unternehmen – oft zunächst auf einzelne Projekte beschränkt. Meist übernehmen wir die Originalpläne nur teilweise und klopfen stattdessen Lieferanten und Fachabteilungen in Gesprächen auf die Punkte ab, die tatsächlich geplant und überwacht werden müssen. Schon hier profitiert der Kunden von unserer langjährigen Erfahrung im Bereich Supply Chain Management. Prozesse und Planung bilden wir dann in der Wassermann-Software wayRTS ab – auf die wir selbst als Software-as-a-Service über das Internet zugreifen. Unsere Kunden und deren Fachabteilungen werden über Web-Frontends ähnlich wie bei wayMES informiert. Änderungen werden uns dann per Web-Frontend mitgeteilt und dann von uns als Planaktualisierung eingearbeitet. Natürlich wird dies dann noch mit Meetings, Eskalationen und laufenden Verbesserungen ergänzt. Sehr schnell können wir dann Organisations- und Prozessoptimierungen anregen, die dann wieder in die Planung eingehen. Was aber immer klar ist: Der Kunde bekommt sehr schnell Ergebnisse, die seine Effizienz und Termintreue sofort steigern. Weil bei Supply-Chain-Planung as a Service ja keine hohen Anfangsinvestitionen getätigt werden müssen, tritt der Return-on-Investment fast unmittelbar ein.