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Strategische Netzwerkplanung: Die Zukunft simulieren

Strategische Netzwerkplanung

Strategische Netzwerkplanung: Die Zukunft simulieren

Erschienen in: Technik + Einkauf 3/2017

Aktuelle Marktentwicklungen, Fusionen oder veränderte rechtliche Rahmenbedingungen: Die Gründe, ein bestehendes Logistiknetzwerk eingehend zu analysieren und möglicherweise neu zu strukturieren, sind vielfältig. Um diesen Herausforderungen zu begegnen und fundierte Entscheidungen in einem komplexen Umfeld vorzubereiten, sollte man verschiedenen Szenarien vorab durchspielen.

Wie beliefere ich meine Werke zukünftig mit Rohstoffen und Vorprodukten? Welchen Transportweg nehmen Produkte und Ersatzteile zu Kunden in aller Welt? Welche Lagerstandorte sollen welches Material- und Teilespektrum in welcher Menge bevorraten? Veränderungen im Markt- und Geschäftsumfeld werfen für Unternehmen Fragen auf, die im Rahmen der strategischen Netzwerkplanung beantwortet oder im Sinne einer hierarchischen Planung durch diese determiniert werden. In diesem Kontext führen Fehlentscheidungen zu erhöhten Transportkosten, unnötigen Beständen und langen Lieferzeiten – all diese Auswirkungen bergen große Gefahrenpotenziale für eine nachhaltige Beeinträchtigung der Wettbewerbsfähigkeit.

„Die immense Tragweite von Entscheidungen zur strategischen Planung von Logistiknetzwerken rechtfertigt eine sorgfältige Vorbereitung unter Einbeziehung aller relevanten Teilaspekte, wie Standortplanung, Sourcing-, Produktions-, Bestands- und Distributionsstrategie“, betont Dr. Christian Nuß, Consultant, Wassermann AG. Neben diesen Einflussfaktoren erzeugen Zielkonflikte ein Dilemma: Bestände sollen verringert, Reaktionszeiten und Lieferfähigkeit jedoch erhöht werden. Eine Konsolidierung von Standorten ist erstrebenswert, Transportkosten sollen hingegen minimiert werden.

Identifikation von grundlegenden Alternativen in Szenarien

„Als Beratungsunternehmen verfügen wir über ausgewiesene Expertise und Erfahrung im Bereich Supply-Chain-Optimierung und bieten innovative IT-gestützte Simulationen, um auch im Spannungsfeld konkurrierender Zieldimensionen kompetente Unterstützung bei der betrieblichen Entscheidungsfindung zu leisten“, erklärt Christian Nuß. Da durch mehrfache Zielsetzung ein eindeutiges Bild verwehrt bleibt, werden zunächst alternative Supply-Chain-Strukturen in interdisziplinären Workshops gemeinsam mit dem fokussierten Unternehmen festgelegt. Vertreter aus allen relevanten Bereichen, wie Beschaffung, Produktionsplanung, Vertrieb, Marketing und Controlling, können hier ihre Vorgaben und Perspektiven einbringen. Zudem werden spezifische Ziele formuliert, welche erfahrungsgemäß ein weites Spektrum abdecken: Wiederkehrende Themen sind beispielsweise die Steigerung der Kundenzufriedenheit, Verkürzung der Durchlaufzeiten, Reduktion der Logistikkosten, Nachhaltigkeit im Sinne einer CO2-Reduktion sowie die Flexibilität und Zukunftssicherheit des Netzwerks.
Die auf diese Weise erarbeiteten Szenarien repräsentieren realistische und prinzipiell akzeptable Netzwerkstrukturen. Oft sind extreme Ausprägungen in der Szenarienmenge enthalten, wie beispielsweise die Netzwerkausgestaltungen einer völligen Zentralisierung und einer ausgeprägten Regionalisierung. Zu Transparenz- und Evaluationszwecken wird üblicherweise auch das bestehende Logistiknetzwerk als Basisszenario definiert. Die Anzahl der initial betrachteten Szenarien in einem Projekt variiert zwischen drei und zehn (bei regionalen Strukturen mit geringem Anpassungsbedarf) bis hin zu 30 oder mehr verschiedenen Alternativen (bei globalen, komplexen Netzwerken mit einer Vielzahl von Freiheitsgraden).

Datenbeschaffung und erste Bewertung

Im ersten Evaluationsschritt erfolgt eine Grobbewertung der entwickelten Szenarien und ihrer Supply-Chain-Konfigurationen. Hierzu werden Märkte und Kunden gebündelt betrachtet, Netzwerkstrukturen simplifiziert modelliert, Bedarfe auf Jahreswerte aggregiert, Durchschnittsbestände betrachtet vereinfachte Frachtratenstrukturen zugrunde gelegt.
Obwohl dies zunächst einfach anmutet, sind hier nicht zu unterschätzende Hürden bezüglich der Datenbeschaffung und -qualität zu überwinden. Für die Planung von Logistiknetzwerken-relevante betriebliche Informationen sind zumeist über mehrere Unternehmensbereiche verteilt, werden in unterschiedlichen Datenbanken und Systemen vorgehalten, weisen eine uneinheitliche Struktur auf und sind nicht selten teilweise lückenhaft und unvollständig. In dieser Phase kann auch die Einbeziehung interner und externer Spezialisten sehr hilfreich sein, um fehlende Daten und Parameter zu bestimmen – beispielsweise Vertreter des Controllings zur Festlegung von Kostengrößen. Neben historischen Daten der jüngsten Vergangenheit finden auch Prognosedaten Eingang in die Datenbasis, um die Robustheit von Supply-Chain-Konfigurationen bei Veränderungen zu analysieren. Erfahrungsgemäß nehmen Datenaufbereitung und -konsolidierung 30–50 % der gesamten Projektzeit in Anspruch. „Diese erste grobe Szenarienbewertung kann durchaus noch mit Standardwerkzeugen und -tools erfolgen, wie beispielsweise Access/SQL-Server“, erläutert Nuß. „Das Ergebnis ist dann eine reduzierte Menge vielversprechender Alternativen, welche im Folgenden einer sehr detaillierten Betrachtung unterzogen werden.“
Der zweite Schritt zielt auf eine detaillierte und sehr feingranulare Simulation und Analyse der verbleibenden Szenarien ab. Dies ist ohne den Einsatz spezialisierter Software kaum zu bewerkstelligen, da eine tages- und sachnummerngenaue Abbildung und Simulation der Bestellungen, Transporte und Bestände in den fokussierten Logistiknetzwerken angestrebt wird.
Ein Beispiel für eine solche Simulationssoftware ist COLUMBUS, eine von der Wassermann AG entwickelte, webbasierte Lösung zur strategischen und taktischen Netzwerkplanung unter Einbezug aller relevanten Aspekte. Supply Chains werden hier prinzipiell über eine benutzerfreundliche grafische Oberfläche als Abfolge aus Knoten (Werke, Läger, Lieferanten, Kunden) und Kanten (Transport- und Bestellrelationen) modelliert.
Nach Parametrisierung des Systems über standardisierte Datenschnittstellen erzeugt das System auf dieser Basis Bestellungen und Materialflüsse. Neben der Netzwerkstruktur wird hier ein breites Spektrum an Determinanten und Restriktionen miteinbezogen, wie Quotierungen zwischen Lieferanten, Stücklisten, Bestell- und Dispositionsverfahren, Transportkapazitäten und -zeiten, Frachtraten, Handlingkosten und -zeiten sowie Zölle und Steuern. Dabei können – je nach Anwendungsfall, Datenlage und Zielkriterium – einzelne Aspekte sehr detailliert betrachtet oder bewusst ausgeklammert werden. Durch Einsatz dieser Software können auch hochkomplexe Logistiknetzwerke für große Planungszeiträume flexibel dargestellt, simuliert und analysiert werden (hunderttausende Materialien und Knoten, tages- und sachnummerngenaue Einzelbedarfe über mehrere Jahre). „COLUMBUS ist als Software-as-a-Service (SaaS) konzipiert. Dies lässt Unternehmen die Wahl: Ein Einsatz des Tools als Dienst oder die Nutzung als Planungsservice gemeinsam mit entsprechender Beratungskompetenz“, so Christian Nuß.
Die Ergebnisse der Simulationen stehen dem Nutzer sowohl als übersichtliche grafische Karten- oder Diagrammdarstellung als auch in tabellarischer Form zur Verfügung. Zudem können verschiedene Szenarien sowohl bezüglich monetärer Größen als auch bezüglich logistischer Leistungskennzahlen, wie Transportzeiten, Lieferbereitschaft und Fahrzeug- und Lagerauslastung, miteinander verglichen werden. Dies erlaubt maximale Flexibilität bei der Nutzung der Resultate als Entscheidungsgrundlage für die tatsächliche Ausgestaltung des zukünftigen Logistiknetzwerks.

Den gesamten Artikel aus der Technik + Einkauf 3/2017 finden Sie hier:

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