
Etwa 200 Mio. Menschen rund um den Globus sehen ihre Welt durch Brillengläser aus Aalen. Die Carl Zeiss Vision International GmbH, ein Geschäftsbereich der Oberkochener Carl Zeiss AG, produziert pro Jahr mehr als 150 Millionen davon. An zehn Serienfertigungswerken und 65 Standorten für die Rezeptfertigung - dort geht es um kundenindividuell erstellte Gläser - werden täglich 250.000 Aufträge abgewickelt.
Spätestens seit der Fusion der drei Marken "Zeiss", "Sola" und "American Optical" (AO) im Jahr 2005 ist der Firmenname auch weltweit ein Begriff im Bereich der Augenoptik. Der Zusammenschluss stellte jedoch - ebenso wie die wachsende Bedeutung von kostengünstigen Massengläsern und die hohen Anforderungen der Optiker an die schnelle Belieferung mit Rezeptfertigungen - das historisch gewachsene Logistiknetzwerk in den vergangenen Jahren zunehmend vor neue Herausforderungen.
Als Konsequenz machte sich das Management vor Kurzem daran, ein neues Optimum im Spannungsfeld zwischen Lieferperformance und den Lager- und Transportkosten zu ermitteln. Mithilfe der Münchener Wassermann AG wurden in Workshops und Experteninterviews die aktuellen Ist-Daten zu Varianten, Liefermengen, -wegen, -zeiten und -kosten aufgenommen und als Modell abgebildet. Dieses übernahmen die Berater in ihre Simulationssoftware, um darin die Auswirkungen von möglichen Änderungen der Transportkosten, von lokalen Absatzschwankungen und von Änderungen des Distributionsnetzwerkes darzustellen. Für zusätzliche Komplexität sorgte, dass bei Zeiss zwei unterschiedliche Supply-Chain-Typen gepflegt werden. Zum einen ist da die Massenfertigung von rund 300.000 Varianten an Einstärken-Fertiggläsern, die über Bulklieferungen auf die „Market Stock Points“ (MSP) verteilt werden. Das sind kleine, dezentrale Distributionslager in Kundennähe. In dieselbe Kategorie eines „Maketo-Stock“-Prozesses (deutsch: Fertigung auf Lager) fallen die 100.000 Varianten an Halbfabrikaten, von denen die Hälfte in Europa produziert wird. Diese werden über Distributionszentren an Kunden- und Halbfabrikatelager („Cross Dock Hubs“) versendet. Aus diesen Lagern bedient sich auch die Rezeptfertigung, die über Auslieferungshubs sowohl individuell gefertigte Gläser als auch fertig eingeschliffene Brillen an Optiker schickt.
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Carl Zeiss Vision
„Der Blick auf die Lieferzeiten zeigte uns, dass wir mit einem zentralisierten Netzwerk zwar größere Kostenvorteile erzielen könnten, aber die Mehrheit der Optiker einen oder zwei Tage länger auf ihre Bestellungen warten müssten – für uns nicht hinnehmbare Einbußen an Servicequalität. So entschieden wir uns für die serviceorientierte Lösung, also für die dezentrale Struktur.“ Dr. Harald Wiedenmann, Consultant Business Process Excellence bei Carl Zeiss Vision.